Unternehmenstexte entschlacken.

Neulich bin ich beim Texten für einen Kunden über den folgenden Satz gestolpert: „Firma XY ergänzt dabei, in Kopplung zu Ihrem horizontalen Unternehmensprozess basierend auf Ihrem ERP-System, den vertikalen Unternehmensprozess mit einem auf Ihr Unternehmen zugeschnittenen MRP-Baustein (Manufacturing Resource Planning).“

Ich habe rund fünf Minuten gebraucht, um zu verstehen, was das Unternehmen damit sagen will. Und weitere fünf Minuten, um den Satz zu entwirren und neu zu texten. Dann habe ich mich gefragt: Wie geht es wohl Kunden, wenn ein Unternehmen so mit ihnen spricht? 

Beispiele wie dieses sind bei meiner Arbeit als Texter kein Einzelfall. Gerade in den Bereichen Technik und Industrie sind verklausulierte und unnötig komplizierte Texte gang und gäbe. Und doch bin ich mir sicher: Kein Vertriebsmitarbeiter eines Unternehmens – ganz gleich aus welcher Branche – würde jemals von Angesicht zu Angesicht so umständlich mit einem Kunden sprechen. Warum also so schreiben?

Die gute Nachricht: Schon mit wenig Aufwand und etwas Mut lassen sich gut verständliche und ansprechende werbliche Texte schreiben. Hier sind vier Tipps, die Sie sofort umsetzen können:

TIPP 1: Formulieren Sie klar und einfach

TIPP 2: Schreiben Sie aktiv

TIPP 3: Show, don’t tell!

TIPP 4: Vermeiden Sie Floskeln

TIPP 1: Formulieren Sie klar und einfach

Komplizierte und verklausulierte Texte schinden keinen Eindruck – sie schrecken ab. Je einfacher der Satzbau, umso schneller kann Ihr potenzieller Kunde den Inhalt verarbeiten. Subjekt–Verb–Objekt – kennen Sie das noch aus der Schule? Stellen Sie auch die Inhalte möglichst einfach dar. Setzen Sie Ihre Unternehmensbrille ab und versetzen Sie sich in Ihren Kunden: Kann er die technischen Hintergründe und Fachbegriffe verstehen, die ich mir mit meinen Kollegen täglich um die Ohren haue? Orientieren Sie sich deshalb beim Schreiben stets am schwächsten Glied Ihrer Zielgruppe.

TIPP 2: Schreiben Sie aktiv

Sprechen Sie Ihre Kunden direkt und persönlich an und führen Sie einen Dialog mit ihnen. Nicht Unser Unternehmen tut dies und jenes für seine Kunden, sondern Wir tun dies und jenes für Sie – damit landen Sie viel eher. Sagen Sie dabei auch gleich den nominalen „ung“-Geheuern den Kampf an! Nicht: Wir sorgen für Beschleunigung in Ihren Prozessen. Sondern: Wir beschleunigen Ihre Prozesse.

TIPP 3: Show, don’t tell!

Sie nehmen einen Spitzenplatz in der Branche ein? Das ist prima! Als Verkaufsargument taugt das alleine aber wenig. Kommunizieren Sie in jedem Fall kundenorientiert: Sagen Sie Ihren Kunden, welchen Nutzen sie davon haben, Ihr Produkt zu kaufen. Mittlerweile ist es wissenschaftlich erwiesen, dass jedem Kauf eine Emotion zugrunde liegt. Das gilt übrigens nicht nur im Endkunden-Bereich. Auch kostengetriebene Kunden im B2B-Bereich werden von Gefühlen geleitet und versprechen sich – bewusst oder unbewusst – emotionale Vorteile.

TIPP 4: Vermeiden Sie Floskeln

Es gibt ein deutsches Automobilunternehmen, das den Begriff innovativ für alle schreibenden Mitarbeiter auf die schwarze Liste gesetzt hat. Gut so! Denn abgesehen davon, dass jenes Adjektiv alleine keinen emotionalen Nutzen verspricht, wird es schon lange branchenübergreifend überstrapaziert: Banken, Versicherungen, Autohersteller, Beratungsunternehmen, Politiker – sie alle haben die arme Innovation wundgeritten. Heute ist sie zur Me-too-Floskel verkommen.

Deshalb: Füllen Sie den Begriff lieber mit Leben und beschreiben Sie, inwiefern Ihr Unternehmen eine Vorreiterposition einnimmt. Haben Ihre Mitarbeiter ein vielversprechendes Produkt entwickelt? Oder haben Sie einen neuen Dienstleistungsbereich erschlossen? Dann schreiben Sie es so.

Achten Sie auch auf Floskeln, wenn Sie Texte anderer Unternehmen lesen – so trainieren und sensibilisieren Sie sich. Schon sind Sie auf dem besten Weg, besser für Ihr Unternehmen zu texten. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei!

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